Alte Linsen und besondere Schätzchen

Letzte Woche habe ich euch in dem Artikel „Wie meine Fotos entstehen“ schon einiges darüber verraten, welche Objektive sich so in meinem Rucksack befinden. Die Standardobjektive habe ich euch bereits vorgestellt. Heute möchte ich euch aber meine Vintagelinsen und andere kleine Besonderheiten vorstellen.

Meyer Görlitz Diaplan 100mm f2.8

Nie gehört? Bei Meyer Görlitz denkt so ziemlich jeder gleich an das weltbekannte Trioplan. Ein deutliches Bubble-Bokeh zeichnet diese Linse aus. Die Unverwechselbarkeit dieses Bokehs und die Begeisterung mancher Fotografen dafür lässt sich der Hersteller gut bezahlen. Da mir mehrere Hundert Euro für ein so spezielles (und noch dazu unscharfes) Objektiv zu teuer waren, habe ich im Internet recherchiert und bin auf eine äußerst gute Alternative gestoßen: das Diaplan desselben herstellers.

Bei dieser Linse handelt es sich um eine Projektorlinse. Sie ist also ursprünglich nicht für Kameras gemacht, sondern fand ihren Platz in einem Diaprojektor. Dennoch bietet die Linse zwei ganz große Vorteile gegenüber ihrer weltbekannten großen Schwester: Das Diaplan ist deutlich schärfer und der Preis findet sich im zweistelligen Bereich. Allerdings muss man natürlich etwas dafür tun, um die Projektorlinse zu einem Objektiv zu machen.

Während meiner Recherche hatte ich das Glück, bei Ebay Kleinanzeigen auf eine etwas vorbereitete Linse zu stoßen. Der Vorbesitz-er hatte ihr bereits einen Tubus verpasst, in den sie sich eindrehen lässt. Auf diese Weise lässt sich auch der Fokuspunkt verstellen. Meine Aufgabe bestand also nur noch darin, den Tubus zu adaptieren. So habe ich gemeinsam mit meinem handwerklich recht geschickten Vater einen Zwischenring an den Tubus geschraubt. Fertig ist das Objektiv!

Optik Görlitz Domiplan 50mm f2.8-22

Dieses wirklich alte Objektiv (1960-1973) ist eines meiner absoluten Lieblinge in der Wald- und Landschaftsfotografie. Besonders im abgeblendeten Zustand – und so benutze ich es beinahe ausschließlich – legt es einen wunderschönen träumerischen Schleier über die Szenen, der sich so auch mit Doppelbelichtungen nicht imitieren lässt. Gerade an trüben und regnerischen Tagen zaubert das Objektiv eine äußerst mystische Stimmung in die Bilder.

Helios 44

Dieses Objektiv habe ich in gleich zwei Ausführungen. Die eine als ganz normales unverändertes Objektiv, mit dem man, wie ich per Zufall feststellen konnte, wunderbare Sonnensterne zaubern kann. Bei dem zweiten Objektiv hat Daniel mir eine der Linsen umgedreht. Hierdurch entsteht ein total verzerrtes Bokeh, das je nach Lichteinfall ziemlich verrückt aussieht.

Lensbaby Composer Pro Sweet 35

Dieses Objektiv besteht aus zwei Teilen. Es hat einen wechselbaren Optikeinsatz, in den ich die Sweet 35mm-Linse setze. Der Tubus hat in der Mitte ein Tilt-Gelenk in seiner Mitte. Hiermit kann ich den Schärfepunkt auf der Bildfläche verschieben. Am Rand entsteht dabei eine starke Verzerrung, die man sich in der Bildgestaltung zu Nutze machen kann. Eine Herausforderung ist allerdings das Fokussieren: Man muss hier nicht nur den manuellen Fokusring zum Scharfstellen benutzen, sondern auch das Tilt-Gelenk. Erst wenn beides stimmt, wird das Motiv wirklich scharf.

Walimex pro 500mm f6.3

Dieses Objektiv hat ein ganz besonderes Bokeh, das auch „Donut Bokeh“ genannt wird. In den Unschärfebereichen entstehen runde Kringel, die in ihrer Optik einem Donut ähneln. Trotz seiner großen Brennweite von 500mm ist die Linse wirklich kompakt: Bei einer Länge von 15cm wiegt es gerade mal 726g. Wie kann das sein?

Der nötige Abstand von 500mm zwischen Frontlinse und Sensor entsteht durch die Umlenkung des Lichts über einen Spiegel (Spiegel-Tele!). Das Licht wird nach dem Eintreten ins Objektiv über einen Spiegel an der Rückseite zurück zur Frontlinse geworden, wo es wieder auf einen weiteren Spiegel trifft, der sich in der Mitte der Frontlinse befindet. Von dort aus wird das Licht dann auf den Sensor gelenkt. Der Spiegel auf der Frontlinse sorgt letztlich für das kringelige Donut-Bokeh.

Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick verschaffen darüber, welche Objektive ich so nutze und wofür ich sie einsetze.

Gibt es noch etwas, worüber ihr gern mehr erfahren würdet? Was wünscht ihr euch in diesem Blog? Schreibt mir gern einen Kommentar oder eine E-Mail (info@christine-averberg.de). Ich freue mich sehr über eure Anregungen!

Eure Christine

2 Comments
  • Susanne Steinhoff

    7. November 2022at13:37 Antworten

    Danke für den informativen Beitrag! Ich besitze auch das Domiplan und liebe das cremige Bokeh. Ich nutze es auch gerne mit Zwischenringen als Makro-Linse, das gibt tolle Effekte im Bokeh und ich habe immer das Gefühl, dass dadurch die Farben noch schöner rüberkommen.

    • Christine Averberg

      7. November 2022at18:57 Antworten

      Vielen Dank, das freut mich! Als Makro habe ich das Domiplan noch nicht eingesetzt, werde es aber bestimmt mal versuchen. 😊

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